Kopier den Meister!

1. Juni 2007, 10:01:13 Uhr von Dennis Sevriens, Rechtsanwalt + Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz | Kein Kommentar |

Made by Produktpiraten, eine Dokumentation über Produktpiraterie von Alexander Stenzel, wurde am 29. Mai auf ARTE ausgestrahlt. Ich habe mir die Sendung über Online TV Recorder (OTR) aufgezeichnet und gestern Abend angeschaut. Neu für mich war, das Madrid das Mekka der Produktpiraten in ist. Obwohl die spanischen Behören immer wieder große Mengen gefälschter Markenprodukte und andere Schutzrechtsimitate beschlagnahmen, gelangt dennoch täglich Tausende gefälschte Produkte in den Warenverkehr.

“Mit Fälschungen von Markenartikeln können Kriminelle mehr Geld verdienen als mit Drogen. Die Häfen der iberischen Halbinsel sind das größte Einfallstor in die EU für Produkte von Fälscherbanden aus aller Welt. Allein in Valencia erreichen 6.300 Container am Tag den Hafen. Gerade mal 30 werden vom spanischen Zoll kontrolliert.”
(Quelle: ARTE)

Das Problem – nicht nur der spanischen – Behörden ist, dass sich der Handel mit gefälschten vom öffentlichen Raum in private Räume verlagert hat. Die Käufer gefälschter Produkte macht sich so zum Komplizen der Produktpiraten. In Spanien gibt es bereits – vergleichbar mit den in bekannten Tupperwaren-Partys – private Veranstaltungen, bei denen gefälschte Produkte auch von der “feinen Gesellschaft” völlig ohne Unrechtsbewusstsein gekauft werden.

Konfuzius: “Kopier den Meister, wenn du ein Meister werden willst.”

China ist die zentrale der Fälscher. In keinem anderen Land auf dieser Welt werden mehr gefälscht als in China. Die chinesischen Behörden geben zwar immer wieder Lippenbekenntnisse ab, wenn Politiker aus Welt schärferes Vorgehen gegen Produktpiraten fordern. In Realität ändert sich aber spürbar nichts. So verwundert es kaum, wenn der chinesische Schuhhändler Billy Wang – frei nach Konfuzius – italienische Schuhmodelle in chinesischer Handarbeit (sklavisch) nachahmen lässt, aber mit seinem eigenen Markenzeichen “Made by Billy Wang” kennzeichnet.

“Ich kann ihre Seele wieder herstellen, manchmal sogar besser als im ”, sagt Billy Wang über seine Schuhe. Billys Kunden, die meist Kundinnen sind, schätzen seine Kunstfertigkeit. Billy Wang ist Schuhpirat in Shanghai, der Meister der perfekten . Er fertigt Schuhe wie vom Designer – für einen Bruchteil dessen, was der Käufer bei Gucci oder Prada zahlen müsste. In China boomt die Markenpiraterie, vom Durchschnittsverdiener bis zum Filmstar reißen sich die Menschen um Billy Wangs handgearbeitete Schnäppchen.”
(Quelle: NDR)

Immerhin zahlt Wang seinen chinesischen Wanderarbeiten mit umgerechnet 200,- €/Monat Spitzenlöhne.

ARTE hat eine Karte, die einen Überblick über den Sitz der internationalen Fälscherbanden verschafft.

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