Licht am Ende des Abmahntunnels
10. März 2008, 15:06:16 Uhr von Dennis Sevriens, Rechtsanwalt + Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz | 3 Kommentare |Der Shopbetreiber-blog berichtete bereits gestern, dass das Bundesjustizministerium eine neue Widerrufsbelehrung zum 1. April herausbringe.
Die Anlage aus der geänderten Verordnung liest sich wie folgt:
Widerrufsbelehrung
Widerrufsrecht
Sie können Ihre Vertragserklärung innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen in Textform (z. B. Brief, Fax, E-Mail) oder – wenn Ihnen die Sache vor Fristablauf überlassen wird – durch Rücksendung der Sache widerrufen. Die Frist beginnt nach Erhalt dieser Belehrung in Textform, jedoch nicht vor Eingang der Ware beim Empfänger (bei der wiederkehrenden Lieferung gleichartiger Waren nicht vor dem Eingang der ersten Teillieferung) und auch nicht vor Erfüllung unserer Informationspflichten gemäß § 312c Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 1 Abs. 1, 2 und 4 BGB-InfoV sowie unserer Pflichten gemäß § 312e Abs. 1 Satz 1 BGB in Verbindung mit § 3 BGB-InfoV. Zur Wahrung der Widerrufsfrist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs oder der Sache. Der Widerruf ist zu richten an:
Einsetzen: Namen/Firma und ladungsfähige Anschrift des Widerrufsadressaten (Zusätzlich können angegeben werden Telefaxnummer, E-Mail-Adresse und/oder, wenn der Verbraucher eine Bestätigung seiner Widerrufserklärung an den Unternehmer erhält, auch eine Internet-Adresse.)Widerrufsfolgen
Im Falle eines wirksamen Widerrufs sind die beiderseits empfangenen Leistungen zurückzugewähren und ggf. gezogene Nutzungen (z. B. Zinsen) herauszugeben. Können Sie uns die empfangene Leistung ganz oder teilweise nicht oder nur in verschlechtertem Zustand zurückgewähren, müssen Sie uns insoweit ggf. Wertersatz leisten. Bei der Überlassung von Sachen gilt dies nicht, wenn die Verschlechterung der Sache ausschließlich auf deren Prüfung – wie sie Ihnen etwa im Ladengeschäft möglich gewesen wäre – zurückzuführen ist. Im Übrigen können Sie die Pflicht zum Wertersatz für eine durch die bestimmungsgemäße Ingebrauchnahme der Sache entstandene Verschlechterung vermeiden, indem Sie die Sache nicht wie Ihr Eigentum in Gebrauch nehmen und alles unterlassen, was deren Wert beeinträchtigt. Paketversandfähige Sachen sind auf unsere Gefahr zurückzusenden. Sie haben die Kosten der Rücksendung zu tragen, wenn die gelieferte Ware der bestellten entspricht und wenn der Preis der zurückzusendenden Sache einen Betrag von 40 Euro nicht übersteigt oder wenn Sie bei einem höheren Preis der Sache zum Zeitpunkt des Widerrufs noch nicht die Gegenleistung oder eine vertraglich vereinbarte Teilzahlung erbracht haben. Anderenfalls ist die Rücksendung für Sie kostenfrei. Nicht paketversandfähige Sachen werden bei Ihnen abgeholt. Verpflichtungen zur Erstattung von Zahlungen müssen innerhalb von 30 Tagen erfüllt werden. Die Frist beginnt für Sie mit der Absendung Ihrer Widerrufserklärung oder der Sache, für uns mit deren Empfang.
Ende der Widerrufsbelehrung
Das Problem war, dass unterschiedliche Landgerichte die Widerrufsbelehrung gemäß Anlage 2 der BGB-InfoVO für unzulässig erachtet haben. Das konnten und durften die Landgerichte auch deswegen, weil es sich bei der BGB-InfoVO nicht um ein Gesetz, sondern -wie der Name schon sagt- um eine Verordnung handelt. Die Bindungswirkung einer Verordnung ist schwächer als ein (förmliches) Gesetz.
Wäre es nicht sinnvoller, die Widerrufsbelehrung gleich ins BGB aufzunehmen?
Update
Die geänderte BGB-InfoV inkl. der neuen amtlichen Widerrufserklärung kann über die Server des BMJ heruntergeladen werden.
Die Umstellfrist läuft bis zum 1. Oktober 2008.
Bereits nach summarischer Prüfung der neuen Belehrung ist allerdings abzusehen, daß diese keinesfalls den dringend gewünschten Rechtsfrieden bringen wird, da wesentliche und inhaltlich berechtigte Kritikpunkte an der alten Regelung nicht korrigiert worden sind.
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10. März 2008, 15:56 Uhr
Inwiefern hat denn eine Rechtsverordnung eine geringere “Bindungswirkung” als ein förmliches Gesetz?
10. März 2008, 16:24 Uhr
Es gibt eine Hierarchie bei den Vorschriften. Da auf Bundesebene die Grundrechte an der Spitze stehen und von den Gesetzen und erst anschließend von Verordnungen gefolgt werden, kann ein Gericht vielversprechend die Rechtsfolgen einer Verordnung mit Argumenten aus einem Gesetz “wegurteilen”.
Argumente aus den §§ 311, 355 BGB werden herangezogen, um darzulegen, dass die Regelung aus Anlage 2 BGB-InfoV nicht mit dem (Wettbewerbs-)Recht vereinbar sind.
13. März 2008, 9:48 Uhr
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