Kartoffel Linda kehrt zurück

28. August 2009, 13:08:47 Uhr von Sebastian Wolff-Marting, Rechtsanwalt und Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz | Kein Kommentar |

Das sonst in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Sortenschutzrecht hat sie kurzfristig berühmt gemacht: Die festkochende Kartoffelsorte “Linda”. Beliebt bei Freunden herzhafter Bratkartoffeln und vorwiegend niederdeutscher Landwirte gleichermaßen. Linda war ursprünglich von der Saatzucht Friedrich Böhm, ansässig in der Lüneburger Heide, gezüchtet worden. Die Produktion und der einer Kartoffelsorte in bedingt die vorherige Zulassung durch das Bundessortenamt und in die Bundessortenliste. Für neue Sorten kann dabei vom Züchter zusätzlich der Sortenschutz nach dem Sortenschutzgesetz beantragt werden. Beim Sortenschutz handelt es sich um ein gewerbliches für Pflanzen, das mit dem Patentrecht für technische Entwicklungen vergleichbar ist, auch wenn es in der Natur der Sache liegend einige Unterschiede gibt.

Der Sortenschutz gewährt für einen Zeitraum von höchstens 30 Jahren (bei Kartoffeln) das alleinige Verfügungsrecht über die Sorte. Die in die Bundessortenliste wiederum bringt auch Verpflichtungen für den Antragsteller mit. Er ist zu einer ordnungsgemäßen Erhaltungszucht verpflichtet und Gebührenschuldner gegenüber den zuständigen Behörden.

Der Lüneburger Züchtungskonzern Europlant, zuletzt Inhaber der Rechte an Linda, hatte die Kartoffel dann Ende 2004, noch vor Ablauf des Sortenschutzes von der Saatgutliste streichen lassen. Zur Begründung ließ das Unternehmen verlauten, die Sorte sei krankheitsanfällig. Landwirte und Verbraucherschützer vermuteten allerdings wirtschaftliche Gründe und unterstellten Europlant, daß die lieber mit Neuzüchtungen weiterhin Lizenzgebühren erwirtschaften wollte. Denn seit Ablauf des Sortenschutzes 2004 ist Linda “gemeinfrei” und es hätten auch andere Züchter die Kartoffel vermehren und als Saatgut an die Bauern liefern können. Ohne Eintragung in die Bundessortenliste aber war Linda nicht verkehrsfähig.

Seitdem kämpfte wiederum der Freundeskreis Linda, der unter anderem von Bioland, Slowfood und der Arbeitgemeinschaft bäuerlicher Landbau (AbL) unterstützt wird, um eine Neuzulassung. Landwirt Karsten Ellenberg von den Linda-Freunden teilt nun mit, daß nach zweijähriger Qualitätsprüfung in Schottland die Kartoffel in Großbritannien auf der nationalen zur Pflanzkartoffel erklärt worden sei. Der Linda-Freundeskreis geht aufgrund der europarechtlichen Regelungen davon aus, daß damit der Weg für Linda auch für den Anbau in wieder frei ist.

Für Dr. Matthias Miersch, SPD – MdB und der Linda – Freunde im Rechtsstreit gegen den Züchtungskonzern Europlant, steht fest: „Mit der Entscheidung in Großbritannien kann Linda auch in Deutschland wieder als Pflanzgut gehandelt, vermehrt und geerntet werden. Damit ist die Vorraussetzung geschaffen, dass Linda als Speisekartoffel in den nächsten Jahren wieder in größeren Mengen angeboten werden kann. Die Allgemeinheit bekommt auch nach Ablauf der Sortenschutzzeit (bei Kartoffeln 30 Jahre) zu nachgefragten Sorten.“

Landwirt Ellenberg vertritt die Meinung, daß der Streit um Linda verloren gegangenes Wissen bei vielen Verbrauchern über verschiedene Sorteneigenschaften der Kartoffelsorten wieder in Erinnerung gerufen hat und insgesamt der Kartoffelwirtschaft geholfen habe.

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